Page 78 - Das marktfrische AIDA Kochbuch
P. 78
MARkt
ho chi Minh stadt
In Europa kennt man die quirlige, aufstrebende Millionenstadt besser unter ihrem alten Namen. Seit 1976 heißt Saigon jedoch offiziell Ho Chi Minh Stadt, auch wenn viele Vietnamesen selbst noch von Sài Gòn sprechen. Sie ist das wirtschaftliche Zentrum des Lan- des und liegt am Westufer des gleichnamigen Flusses, nur etwa 40 Kilometer vom Südchinesischen Meer
entfernt. Seit den Reformen im Jahr 1986 boomt die Metropole, alles ist in Bewegung, unterwegs mit dem Moped (xe máy) oder den Mopedtaxi (xe ôm).
Bis 1953 fuhren Straßenbahnen, später waren die cyclos, Fahrräder, das wichtigste Transportmittel. Doch sobald es ging, wurden diese durch motorisierte Zweiräder ersetzt. Seither wird das Durchkommen im- mer schwieriger. Abhilfe schaffen soll nun eine neue U-Bahn. Mit ihr gelangt man dann deutlich schnel- ler zum Ben-Thanh-Markt – er ist der größte in der ganzen Region. Die Markthalle wurde 1914 von den Franzosen erbaut und ist nicht das einzige Relikt der
französischen Kolonialzeit. Zahlreiche Cáfes und Res- taurants mit französischem Essen prägen die Stadt bis heute. Sogar Baguette wird hier gebacken, dessen Form allerdings etwas vom gewohnten Vorbild ab- weicht. Es ist in der Mitte breiter und kürzer als das französische Original.
Seit der Renovierung 1986 leuchten Turm und Halle außen wieder hellgelb, innen finden auf 13.000 Quadratmetern über 1.500 Händler Platz. Im vorderen Teil finden sich Bekleidung, Blumen, Schuhe und die typisch vietnamesischen, kegelförmigen Hüte – non genannt. Aus gepressten Palmblättern und Bambus hergestellt, schützen sie zugleich vor Sonne und Regen. Der hintere Teil der Halle gehört den Lebensmitteln. Hier gibt es alles, lebende Fische, Frösche, getrockne- te Garnelen und nuoc mam, die allseits beliebte und für fast alles verwendete Fischsauce – ebenso Fleisch, Geflügel, Früchte und Berge von Gemüse. Wachskür- bisse, Wasserspinat, Bittergurken und Lotuswurzeln – bei uns noch wenig bekannt – zählen hier zum täg- lichen Angebot und, nicht zu vergessen, der Reis.
Reis ist in Vietnam Grundnahrungsmittel und wird im ganzen Land angebaut. Keine leichte Arbeit, müs- sen doch die Felder und Reisterrassen gepflügt und ge- flutet werden, ehe die leuchtend grünen Schösslinge einzeln ausgepflanzt werden können. Doch der Ertrag lohnt die Mühe, zwei Ernten sind möglich pro Jahr, im feucht-warmen Süden sogar drei. Vietnam ist welt- weit der fünftgrößte Reisproduzent. Als Exporteur lag das Land lange an dritter Stelle, hinter Indien und
Reis: Körner, Blätter und Nudeln
78

