Page 94 - Das marktfrische AIDA Kochbuch
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MARkt
typisch stockholm
Die Hauptstadt Schwedens liegt geographisch reizvoll auf 14 Inseln verteilt, die Ostsee auf der ei- nen, der große Mälarsee auf der anderen Seite. Eine Schleuse, schwedisch slussen, mitten in der Stadt ver- hindert, dass sich Süß- und Salzwasser zu stark vermi- schen. Das Wasser hier ist so sauber, dass sogar vom Ufer aus geangelt werden kann.
Wasser spielt überhaupt eine zentrale Rolle. Nir- gendwo in Stockholm ist es weit zum nächsten Ufer. Nicht umsonst wird es auch »Venedig des Nordens« genannt. Überqueren kann man die zahlreichen Kanäle und Wasserstraßen über eine der mehr als 50 Brücken, welche die verschiedenen Stadtteile mit- einander verbinden. Dazwischen immer wieder Parks und Uferpromenaden, die mit ihrem satten Grün eine angenehme Atmosphäre schaffen.
Bei so viel Wasser kann die kulinarische Vorlie- be für Fisch nicht verwundern. Neben Wild aus den umliegenden Wäldern spielt er die zentrale Rolle auf dem Speiseplan. Die Stockholmer lieben Fisch unter- wegs als Snack, zum Lunch oder middag, wie hier das Abendessen heißt. Sie nehmen ihn zum Picknick mit und auch beim Smörgåsbord darf er nicht fehlen, dem mehrstündigen, kalt-warmem Büffet, das gern in fünf Gängen zelebriert wird. Zum Auftakt wählt man Sill, Hering, in den unterschiedlichsten Variationen,
der etwa als Senapsill, in süßsaurer Senfsauce, geräu- chert, gebraten oder gratiniert angeboten wird. Im Anschluss empfehlen sich Meeresfrüchte oder Fisch, vielleicht feiner Gravad Lax (Graved Lachs) mit süßer, dillwürziger Senfsauce. Diverse Schinken und Paste- ten folgen, bevor es Zeit für warme Speisen ist, ge- folgt von einem üppigen Dessert, Kuchen und Gebäck.
Während man für das traditionelle Büffet viel Zeit mitbringen muss, kann man sich auf dem Stockhol- mer Fischmarkt oder unter der Woche in einer der Markthallen schnell mit einem kleinen Imbiss stär- ken. Bis 1953 stand die alte Halle auf dem Hötorget, dem zentralen Marktplatz im Stadtteil Norrmalm, auf dem heute noch ein Wochenmarkt stattfindet. Die Hötorgshallen mit ihrem großen Angebot an Delika- tessen und Snacks aus aller Welt befindet sich inzwi- schen jedoch ein Stockwerk tiefer.
Vornehmer geht es zu im roten Gebäude der Östermalms Saluhall, schwedisch Östermalmshallen, im gleichnamigen Stadtteil. Ende des 19. Jahrhun- derts eröffnet, wurde die 3.000 Quadratmeter gro- ße Markthalle bald zum kulinarischen Treffpunkt der Stadt und ist dies bis heute. Viele kleine Restaurants, Bars und Cafés bieten feine Häppchen an. Delikates- sengeschäfte warten nicht lange auf Kundschaft, es gibt frischen, eingelegten und gebeizten Fisch, Mee- resfrüchte und viele andere Köstlichkeiten.
Die neueste Markthalle Stockholms hat 1992 im Stadtteil Södermalm ihre Pforten geöffnet. Hier bie- ten viele kleine Händler schwedische Spezialitäten und Delikatessen an. Ganz in der Nähe der Schleuse, zwischen Södermalm und Gamla Stan, der autofreien
Einkaufen in alten Hallen
Ohne Hering geht nichts
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